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Viele Stellenausschreibungen in der Wirtschaft enthalten mittlerweile den Hinweis: "Anschreiben optional". Für Akademiker, die aus der Universität oder Forschung in Unternehmen wechseln wollen, insbesondere Masterabsolventen und Postdocs, wirft das eine zentrale Frage auf: Sollte man sich ohne Anschreiben bewerben oder verschenkt man damit eine wichtige Chance, sein Profil klar zu positionieren?
"Optional" ist nicht gleich "irrelevant"
Unternehmen verzichten zunehmend auf verpflichtende Anschreiben, weil sie oft wenig Mehrwert liefern. Viele wiederholen teilweise den Lebenslauf oder sind gespickt mit Floskeln. Gleichzeitig sind Recruiting-Prozesse heute stärker standardisiert und auf Geschwindigkeit ausgelegt. Der Lebenslauf ist dabei in der Regel das Hauptkriterium zur Vorauswahl.
Das bedeutet jedoch nicht, dass ein gutes Anschreiben überflüssig ist. Gerade wenn dein CV überzeugt, möchte man mehr über dich erfahren. In diesem Fall greift man oft als erstes auf dein Anschreiben zurück – und es wäre schade, wenn dann keines zu finden ist. Verfassen solltest du den Text hierfür selbst. Gerade in Zeiten von KI, in denen sich theoretisch jeder auf Knopfdruck ein Anschreiben generieren lassen kann, sind viele Texte austauschbar. Ein geschultes Recruiter-Auge merkt dies sofort. Aktuell bitten erste Unternehmen daher bereits explizit in ihren Stellenausschreibungen, keine KI für die Erstellung der Bewerbungstexte zu verwenden. Mit einem individuellen Text, der neben fachlichen Informationen auch deine persönliche Note herüberbringt, stichst du dagegen sofort positiv heraus.
Die besondere Herausforderung für Akademiker
Für Bewerber aus der Wissenschaft ist die Bewerbungssituation spezieller als die von Bewerbern, die bereits aus der Wirtschaft kommen. Der Lebenslauf vieler Akademiker beantwortet oft nur unzureichend die entscheidenden Fragen: Wie lassen sich Forschungserfahrung und Methodenkompetenz in wirtschaftlichen Kontext "übersetzen"? Weshalb passt die Rolle eigentlich zu diesem Profil? Und vor allem: Warum der Wechsel in die Wirtschaft?
Die Antworten auf diese Fragen sind für Recruiter im Auswahlprozess zentral, werden jedoch häufig nicht unmittelbar aus dem CV ersichtlich. Hier macht es definitiv Sinn, das Anschreiben für sich zu nutzen und seine eigenen Kompetenzen besser greifbar zu machen. Dies geschieht am besten dadurch, dass du...
- deine wissenschaftlichen Kompetenzen als Mehrwert für Unternehmen formulierst
- deinen Wechsel in die Wirtschaft als nächsten logischen Schritt darstellst
Wann sich ein Anschreiben besonders lohnt
In vielen Fällen ist es daher strategisch sinnvoll, ein Anschreiben mitzuschicken, auch wenn es optional ist. Das gilt vor allem dann, wenn dein Profil auf den ersten Blick nicht ganz "passt". Wer aus der Wissenschaft kommt, befindet sich fast immer in genau dieser Situation. Ein Anschreiben hilft dir, einen roten Faden sichtbar zu machen und die eigene Geschichte aktiv zu rahmen, statt sie der Interpretation der Recruiter zu überlassen. Es bietet Raum, die eigene Motivation klar auf den Punkt zu bringen und zu zeigen, dass deine Bewerbung kein Zufallsprodukt ist, sondern eine bewusste Entscheidung.
Auch bei wenig direkter Praxiserfahrung oder ungewöhnlichen Profilen kann ein gut geschriebenes Anschreiben den Unterschied machen. Wenn du darin erläuterst, weshalb genau du für diese Rolle passt, reduzierst du Unsicherheit auf Unternehmensseite. Und genau diese Unsicherheit ist oft der Grund, warum Bewerbungen aussortiert werden.
Der Knackpunkt dabei: Kontrolle über deine "Story"
Letztlich geht es weniger um die Frage "Anschreiben mitschicken oder nicht", sondern vor allem um die Kontrolle deines Profils. Ohne Anschreiben überlässt du es dem Unternehmen, dich und deine Kompetenzen einzuordnen. Mit Anschreiben übernimmst du diese Einordnung selbst. So kannst du deinen Wechsel nachvollziehbar machen und Missverständnisse vorab vermeiden, die im schlimmsten Fall unmittelbar zu einer Absage führen könnten.
Wenn ein Anschreiben als optional gekennzeichnet ist, bedeutet das also hauptsächlich, dass du zusätzlichen Spielraum hast, dich zu positionieren. Nutze diesen strategisch und verbinde in deinem Anschreiben Motivation, Kontext und Nutzen – Aspekte, die für Recruiter aus dem CV oft nur indirekt herauszulesen sind.
Ein prägnantes Anschreiben gibt dir also die Möglichkeit, die "Übersetzung" deiner wissenschaftlichen Erfahrung für Unternehmen aktiv zu leisten, statt darauf zu hoffen, dass sie bereits im Lebenslauf erkannt wird. Gerade im Wettbewerb mit Kandidaten, deren Profile auf den ersten Blick "klassischer" wirken, ist diese Chance oft Gold wert.
👉 Du möchtest dich klar positionieren und deinen Mehrwert überzeugend formulieren? Gerne helfe ich dir dabei.
Deine Eva-Maria
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